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Verkehr
Ein Loch durch den Berg
13.06.2008 16:02
Der Brennerbasistunnel ist ein politisches Prestigeprojekt für Tirol und Italien - und ein Milliardengrab für unser Steuergeld. Einige Gründe, warum der Tunnelbau nicht viel bringt.

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Das wichtigste Argument der Tunnelbohrer ist die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene. Zwei Millionen LKW donnern jedes Jahr durch Tirol. Der Tunnel verknappt die Fahrzeit von Innsbruck nach Bozen um eine Stunde, und erhöht das Gewicht, das transportiert werden kann. Damit soll die Schiene attraktiver gegenüber der Autobahn werden.

So die Theorie. Geplant ist das „historische Bauwerk“, so Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, ja erst für 2022. Bis dahin wird noch viel Zeit den Inn "runter" fließen. Derweil wird das Verkehrsproblem nicht besser. Eine Million Fahrten durch Tirol gab es Mitte der Neunziger, zwei Millionen sind es jetzt. In einigen Tälern Tirols hat man eine Luftbelastung wie in der Mailänder Innenstadt erreicht. Wie viel Güter- und wie viel Personenverkehr durch den Brennerbasistunnel durchfahren werden, ist bislang nicht geklärt.

Um überhaupt Geld von der EU zu bekommen, haben die Betreiber auf italienischer und österreichischer Seite einiges an Versprechungen gemacht. Die EU-Gelder aus dem TEN-Fonds sind nämlich für Projekte gedacht, die den Reiseverkehr innerhalb Europas beschleunigen sollen. Personenzüge sollen jedoch nur zwischen 22 Uhr und sechs in der Früh durch den Brenner-Tunnel rollen dürfen. Ein fauler Kompromiss. Deutschland hat sich aus diesen Gründen gleich gar nicht am Brenner-Tunnel beteiligt.

Eine Schlüsselfrage für den Brennerbasistunnel ist vor allem das Geld. Sechs Milliarden Euro soll das zweitgrößte Loch der Welt - nach dem Schweizer Gotthard-Tunnel - kosten. Studien, etwa von der Wirtschaftsuniversität Wien rechnen mit weitaus höheren Beträgen. Die Politiker fürchten zu Recht den Druck der Bürger, wenn sich die wahren Kosten allgemein die Runde machen. Noch nicht einmal das Budget für einen Probestollen steht bislang. Deswegen hat die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ das Projekt auch schon mit den berühmten potemkinschen Dörfern vergleichen: Es hätte zwar schon einen Spatenstich 2006 und viele Diskussionen gegeben. Außer Geldverschwendung ist jedoch kaum etwas dabei herausgekommen.

Ein versöhnliches Ende scheint zum Glück in Sicht. Die EU-Kommission hat Anfang Mai 2008 entschieden, dass die EU-Mittel nur bewilligt würden, wenn zuerst eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht werden würde. Deren Ergebnisse sind mehr als ungewiss. Sicher ist, dass die unverletzte Natur der Tiroler Täler wichtiger ist, als Luftschlösser und -tunnel durch die Alpen zu treiben.

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